02 - actions speak louder than words

Hijacking CCTV: Leipziger Kamera und Space Hijackes in Aarhus (Dänemark)

Am 8. und 9. Februar 2009 waren die Leipziger Kamera gemeinsam mit den Space Hijackers aus London zu der Konferenz „Sousveillance. The art of inverse surveillance“ an der Universität Aarhus eingeladen.

Am Sonntag fanden drei verschiedene Interventionen statt. Dmytri Kleiner brachte sein Offline File Sharing System „Dead Swap“ in Umlauf und Mare Tralla porträtierte Überwachungskameras am Bahnhof Aarhus in Öl. Während dessen erkundeten Space Hijackers und die Leipziger Kamera gemeinsam mit Studierenden die Aarhuser Innenstadt. Da sich in den Straßen von Aarhus relativ wenig Überwachungskamera finden, verdeutlichten die Space Hijackers mit Kamerasymbolen aus Kreide, wo überall Kameras wären, wenn Aarhus London wäre. Ein Blick in die Zukunft von Aarhus?

In den Innenräumen von Aarhuser Geschäfte und im ÖPNV finden sich dennoch zahlreiche Überwachungskameras. Auf einem Spaziergang in der Innenstadt „fingen“ wir mit unserem CCTV-Monitor Bilder von fünf unterschiedlichen Funkkameras auf. Mit einem tragbaren Mini-CCTV-Studio, dass sich in einem Reisekoffer verbarg, testeten wir auf der Tour durch die Stadt die Möglichkeiten eigene Botschaften auf fremde Monitore zu senden. Achtet darauf, wenn die Botschaft „Out of control“ im Film erscheint:



Am Montag fand dann die eigentliche Konferenz statt, an dem alle Teilnehmer_innen u.a. auch noch Manu Luksch, Shining und Alexej Shulgin ihre Projekte zur Überwachung vorstellten.

Links mit Details und Bildern der Konferenz:
//www.digitalurbanliving.dk/sousveillance
//www.flickr.com/photos/sousveillance_aarhus/
//www.youtube.com/watch?v=5nl91JldBRI
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Funkkamerajagd - Seminar für angewandte Unsicherheit [SaU] vs. Leipziger Kamera

Am Freitag, den 18.1.2008, kam es zu einem Kräftemessen zwischen den Berliner AktivistInnen gegen Überwachung vom Seminar für angewandte Unsicherheit [SaU] und der Leipziger Kamera. Initiative gegen Überwachung.

Beide Initiativen haben schon in Vergangenheit mit der drahtlosen Videokameratechnik experimentiert. Das sind Videoüberwachungssysteme, bei denen die Bilder der Überwachungskameras nicht durch das Kabel, sondern über Funk zum Monitor übertragen werden. Viele der so gesendeten Bilder sind nicht verschlüsselt und lassen sich also mit handelsüblichen Empfangsgeräten im Umkreis der Kamera, also auch auf Ladenpromenade auffangen. Hin und wieder werden nicht nur Bilder, sondern über das in der Kamera serienmäßig eingebaute Mikrofon auch Töne aus den Innenräumen übertragen.

Team_LK
Die Leipziger Kamera sucht nach Funkkameras


Beim Treffen in der Leipziger Innenstadt ging es darum, welches Team die meisten Kameras während der Spielzeit (90 min) entdeckt. Jede entdeckte Kamera bedeutet einen Punkt.

1 Kamera = 1 Punkt

Wer den genauen Standort der Kamera ausmacht und ein Teammitglied auf dem Monitor porträtiert erhält einen Zusatzpunkt.

1 Monitorporträt = 1 Zusatzpunkt

Die Auswertung (siehe unten) ergab ein unentschieden. Während die Leipziger Kamera in aller Ruhe 5 Kameras ausfindig machte, stieß die [SaU] auf erhebliche Vorbehalte bei Leipziger Einzelhändlern, Wachmännern und der Polizei. Sie wurde dafür mit 2 Extra-Punkten belohnt.

Funkkameraplan
Plan der bisher in der Leipziger Innenstadt entdeckten Funkkameras.



Auswertung: [SaU] vs. Leipziger Kamera - 9:9

//SEMINAR FÜR ANGEWANDTE UNSICHERHEIT [SaU]//

Speed, Nikolaistraße 6-10
Funkkamera
>> 2 Punkte
speed

Universität Leipzig,
Seminargebäude (Interim), Brühl
1 Extra-Punkt für einen Hausverweis durch den Sicherheitsdienst.

Scheinkraft, Brühl 34-50
Funkkamera
>> 2 Punkte

Miss Liberty, Reichsstraße
Funkkamera
>> 2 Punkte
1 Extra-Punkte für die Identitätsfeststellung durch die Polizei.
uss_liberty

unbekannt, Schuhmachergäßchen/Nikolaistraße
Funkkamera
>> 1 Punkt

Gesamt: 9 Punkte


//LEIPZIGER KAMERA//

Vero Moda, Petersstraße 15
2 Funkkameras
>> 3 Punkte
Vero-moda

Kids Store, Neumarkt 9
Funkkamera
>> 1 Punkt
Kidsstore

Segafredo Zanetti Espressobar, Reichsstraße 2
Funkkamera (mit Ton)
>> 2 Punkte
segafredo

unbekannt, Schuhmachergäßchen/Nikolaistraße
Funkkamera
>> 1 Punkt

TeeGschwendner, Specks Hof, Schuhmachergäßchen 2a
Funkkamera
>> 2 Punkte
TeeGschwender

Gesamt: 9 Punkte

Link zum Seminar für angewandte Unsicherheit [SaU]: //www.sau.net.ms/
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Stadtrundgang mit Funk-Empfänger

Erste Impressionen eines kleinen Rundgangs durch die Leipziger Innenstadt mit Funkempfänger. Das mobile Empfangsgerät genügt, um ganz nebenbei einige Videoüberwachungsbilder aus Geschäften auf unserem Bildschirm einzufangen.


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Demonstration "Freiheit statt Angst - Stoppt den Überwachungswahn"

Am 22. September 2007 gingen in Berlin circa 15.000 gegen Vorratsdatenspeicherung und die zunehmende Überwachung auf die Straße. Aufgerufen hatten dazu der AK Vorratsdatenspeicherung und circa 50 Gruppen und Berufsverbände. Die Leipziger Kamera war dabei. Im Folgenden werden einige Fotos und unsere Rede auf der Zwischenkundgebung dokumentiert:

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Die Demonstration gegen Überwachung beginnt mit intensiven Polizeikontrollen.

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8.000 Demonstrant_innen warten darauf, dass die Polizei die Route freigibt.

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Ein Großteil der Demonstrant_innen demonstrierten gegen das 129a-Verfahren gegen linke Aktivist_innen und kritische Wissenschaftler_innen.

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Den Datenkraken des Foebud fährt der mobile Überwachungswagen der Berliner Polizei voraus. Dahinter das schlimmste Plakat der Demo. Mag der legalistische Ansatz der Bürgerrechtler schon nerven, kommen jetzt noch nationale Untertöne in Debatte. Bezüge auf die Nationalhymne wollen wir nicht!

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Redebeitrag der Leipziger Kamera auf der Demo „Freiheit statt Angst“ in Berlin am 22.9.2007

Wenn Innenminister Schäuble mal wieder nicht genug Menschen präventiv erschießen lassen kann, dann ist entschiedener Widerspruch nötig. Die Vertreter_innen des Rechtsstaates entfernen sich derzeit immer mehr von den Grundsätzen, denen sie angeblich verpflichtet sind. Grundlegende Rechte, die den Einzelnen vor dem Zugriff des Staates schützen sollen, wie die Unschuldsvermutung, die Gleichheit vor dem Gesetz, der Schutz der körperlichen Unversehrtheit oder wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung werden immer mehr ihrer Substanz beraubt. Sicherheitsgesetze, innere Sicherheit, Bundes-Trojaner, heimliche Online-Durchsuchung... das sind die neuesten infamen Beispiele. Das geplante Gesetz zur sechsmonatigen Speicherung fast sämtlicher Telekommunikationsdaten, die Vorratsdatenspeicherung, ein weiterer Höhepunkt dieser Entwicklung.
Das alles kann man zu Recht kritisieren. Doch obwohl solche Kritik wichtig ist, sollte uns das nicht hindern, eine etwas aus der Mode gekommene Diagnose zu stellen: „Der Fehler liegt im System“. Dieser alte Demoslogan mag zwar platt klingen, falsch ist er deswegen noch lange nicht.

Welchen Zweck hat also der um sich greifende Überwachungswahn? Kurz gesagt: Die vielen Verlierer_innen unter Kontrolle zu halten, die unser auf Konkurrenz basierendes Wirtschaftssystem nun mal ständig produziert. Denn obwohl letztlich alle von Überwachung betroffen sind, muss man sehen, dass Überwachung und Kontrolle auch sehr selektiv wirken. Es sind ganz bestimmte soziale Gruppen, die besonders davon betroffen sind. Dazu zählen Arme und Migrant_innen ebenso wie Menschen, die alternative Lebensentwürfe verfolgen. Überwachung findet nicht im luftleeren Raum statt, sie dient der Aufrechterhaltung des Status Quo.

Menschen mit Migrationshintergrund unterliegen dabei wohl der schärfsten Kontrolle. So genügt schon der bloße Verdacht auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung für eine sofortige Abschiebung. Aber am besten sollten diese Menschen eh nicht bis hierher kommen. Dafür wird die EU-Außengrenze mit modernster Technik abgesichert und Auffanglager in Nordafrika oder der Ukraine eingerichtet. Die, die es trotzdem bis zu uns geschafft haben, müssen in Heimen wohnen. Sie werden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, ihnen wird verboten, einer Arbeit nachzugehen, statt Geld erhalten sie häufig Sachleistungen. Wer so leben muss, weiß was Kontrolle, Gängelung und Schikane bedeutet.

Denen, die von Polizei und privaten Sicherheitsdiensten aus den Innenstädten und Bahnhöfen vertrieben werden – z.B. Bettelnden, Punks oder Junkies - , geht es ähnlich. Sie alle sind Menschen, die gemäß dem Grundsatz der kapitalistischen Gesellschaft, dass alles dazu da ist, aus Geld mehr Geld zu machen, schlicht nichts wert sind. In der Standortkonkurrenz der Städte spielen die Innenstädten als Orte des Konsums eine wichtige Rolle. Wer da nicht ins Bild passt, fliegt raus. Gleiches gilt für die Bahnhöfe. Die sollen als „Visitenkarte“ für das Stadtmarketing dienen und entsprechend sauber gehalten werden. Hier treffen sich politische und wirtschaftliche Interessen bei der Verdrängung mißliebiger Personengruppen aus dem Stadtbild. Die Benachteiligung dieser Gruppen setzt sich fort und verschärft sich noch.

Aber auch wenn man diese Folgen von Kapitalismus und staatlicher Herrschaft kritisiert, kann man leicht ins Visier der Überwacher geraten. Der Fall des wegen Terrorismusverdacht verhafteten Andrej H. zeigt eindrücklich, wie schnell das geht - Zugang zu Bibliotheken und die Verwendung bestimmter Schlagworte in wissenschaftlichen Texten genügen. Ein solches Verfahren nach Paragraf 129a richtet sich dabei nicht nur gegen die unmittelbar Verdächtigen, sondern auch gegen deren politisches und soziales Umfeld. Durch Hausdurchsuchungen ebenso wie durch Überwachung der Telekommunikation per Telefon und Internet werden Daten gesammelt, durch Observationen Bewegungsprofile erstellt, Wohnungen und politische Zentren abgehört. Politische Arbeit soll so erschwert, Aktivist_innen eingeschüchtert und verunsichert werden. Auch diese Vorgänge verlangen unseren Widerspruch.

In diesem Sinne:
Schluss mit der Videoüberwachung!
Nein zu Vorratsdatenspeicherung und Onlinedurchsuchungen!
Schluss mit der rassistisch motivierten Überwachung von Migrant_innen!
Für eine Abschaffung des Paragrafen 129a und b!
Schluss mit der Repression gegen linke Aktivist_innen und kritische Wissenschaftler_innen!


Rede zum Anhören:
//www.freie-radios.net/portal/content.php?id=18880


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Links:
//www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/142/1/
//radio.freiheitstattangst.de/

Einige Foto-Impressionen von der Demo:
//www.foebud.org/datenschutz-buergerrechte/vorratsdatenspeicherung/demo-2007-09-22-berlin-bilder

Presseberichte über die Demo:
//www.tagesschau.de/inland/ueberwachung2.html
//www.heise.de/newsticker/meldung/96385
//www.heise.de/newsticker/meldung/96388
//www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26257/1.html

Zum Thema Polizeigewalt während der Demo:
Offener Brief an die OrganisatorInnen der Demonstration 'Freiheit statt Angst', //www.nadir.org/nadir/initiativ/fels/de/2007/09/440.shtml
//www.nadir.org/nadir/initiativ/fels/de/2007/08/431.shtml
//de.indymedia.org/2007/09/194668.shtml
//www.fau.org/artikel/art_070924-094142
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Der Frosch # 1

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Demonstration STADT FÜR ALLE !

Gegen Privatisierung, Ausgrenzung und Überwachung!

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UnterstützerInnen: AG Soziale Politik, Antifaschistische Jugendfront Leipzig (AJL), attac Leipzig, attac campus Leipzig, Gieszer-Ö-Gruppe, ig3o - Ex-"Initiativgruppe 3. Oktober", Leipziger Bündnis gegen G8, Leipziger Kamera, Libertäres Zentrum Libelle, Linkspartei.PDS Leipzig, Plaque, RSB Leipzig, SAV Leipzig, WASG Leipzig und Leipziger Land

Pressemitteilung vom Bündnis "Stadt für alle" (Leipzig, 24.5.2007):
600 Menschen protestieren gegen EU-Stadtentwicklungspolitik

In Leipzig demonstrierten am Abend des 24. Mai etwa 600 Menschen unter dem Motto "Stadt für alle - gegen Privatisierung, Ausgrenzung, Überwachung!" gegen das informelle EU-Ministertreffen zur Stadtentwicklung. Die Demonstration, zu der autonome Gruppen, linke Initiativen, GlobalisierungskritikerInnen und Parteien aufgerufen hatten, führte vom Hauptbahnhof durch die Leipziger Innenstadt bis in die unmittelbare Nähe des Tagungsorts des Treffens, des Bundesverwaltungsgerichts.

In fünf Redebeiträgen wurde deutlich gemacht, wogegen sich der Protest richtet. "Im Zentrum unserer Kritik steht die Tatsache, dass Städte von der Politik nicht als Ort zum Leben, sondern lediglich als Wirtschaftsstandorte begriffen werden, die es für potentielle Investoren fit zu machen gilt", kommentierte Stephanie Kesselbauer, die Sprecherin des Vorbereitungsbündnisses.

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So werden etwa der städtische Raum und kommunales Eigentum zunehmend der Privatisierung und Kommerzialisierung unterworfen. Im Zuge dieser Entwicklung werden immer mehr Menschen aus verschiedenen Stadtteilen, vor allem den Innenstädten, verdrängt. Abgesichert wird diese Verdrängung durch zunehmende Überwachung und Repression. Nicht zuletzt werden linke und alternative Zentren, die der momentanen Stadtentwicklungspolitik ohnehin ein Dorn im Auge sind, zu Keimzellen des Terrorismus gestempelt, wie beispielsweise zuletzt in Hamburg und Berlin.

Stephanie Kesselbauer weiter: "Wir wollen selbst entscheiden, wie wir in unserer Stadt leben und wie diese Stadt auszusehen hat. Dass mehr als doppelt so viele Menschen, wie wir erwartet haben, unserem Aufruf gefolgt sind, zeigt, dass nicht nur wir das so sehen." Die kraftvolle und lautstarke Demonstration endete schließlich am Neuen Rathaus.

Stephanie Kesselbauer
Sprecherin des Bündnis' „Stadt für alle“

* Demonstrationsaufruf STADT FÜR ALLE ! (hier klicken)
* Leipziger Erklärung (hier klicken)


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Demoüberwachung: Mobile Polizeiüberwachungskamera am Martin-Luther-Ring. Eine von mindestens drei Mobilen an der Demoroute (Radissonhotel am Augustusplatz, Brühl), zusätzlich zu zwei Stationären.

Presse:
* Indymediabericht: Leipzig: 700 gegen EU-Stadtpolitik-Treffen (hier klicken)
* Radio Corax (Halle): Interview (hier klicken)

* Radio Mephisto 97,6 (Leipzig) (hier klicken)


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Weitere Informationen:
//www.stadt-fuer-alle.de.vu
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Making Trouble in Leipzig

Von Justus (Feierabend)

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In Sachen Videoüberwachung hat Leipzig eine Vorreiterrolle. Im April 1996 wurde hier die erste Polizeikamera zur dauerhaften Überwachung öffentlicher Plätze in Betrieb genommen. Dass sich dieses Datum im letzten Jahr zum zehnten Mal jährte, hat sich die 2003 gegründete Gruppe Leipziger Kamera - Initiative gegen Überwachung zum Anlass für ihre Kampagne „10 Jahre sind genug!“ genommen. Eine gut besuchte dreitägige Film- und Vortragsreihe unter dem Titel „[Del]+[Ctrl]“ Ende März letzten Jahres bildete den Auftakt der Kampagne. Seitdem hat die Leipziger Kamera mit Theaterperformances im städtischen Raum nach dem Vorbild der New Yorker Surveillance Camera Players auf sich aufmerksam gemacht. Anfang Dezember letzten Jahres fand ein weiterer Aktionstag statt.
Zur Unterstützung und als Ideengeber hatte die Leipziger Kamera sich die Space Hijackers aus London eingeladen. Das Anliegen dieser 1999 gegründeten Gruppe von „Anarchitekten“, AktionskünstlerInnen und PolitaktivistInnen ist nach eigener Aussage, „die Hierarchie zwischen Besitzern und Nutzern des öffentlichen Raumes in Frage zu stellen“. Diesem folgen sie mit Aktionen wie dem sogenannten „guerilla benching“. Auf einen Beschluss der Londoner Stadtverwaltung, Sitzbänke zu demontieren, da sonst damit nur Obdachlose und andere Randgruppen zum „Herumlungern“ ermutigt würden, reagierten die Space Hijackers indem sie selbst Bänke in der Londoner Innenstadt aufstellten.
Die Auftaktveranstaltung zu den Aktionstagen fand am 1. Dezember in der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) statt. Es standen zwei Vorträge der beiden Space Hijackers Sam und Robin auf dem Programm, wovon einer sich mit Protest und Überwachung im öffentlichen Raum befasste, während der andere speziell auf die Aktivitäten der Space Hijackers einging. Mit etwa 60 Leuten war die Veranstaltung gut besucht, insofern schien dem Gelingen des folgenden Aktionstages nichts im Weg zu stehen.
Am darauffolgenden Tag versammelten sich ca. 50 Leute vor der GfZK. Nachdem alle die mitgebrachten Papier-Mülltüten mit Hilfe von Schere und Filzstiften zu praktischen „Überwachungskamera-Schutzhelmen“ umfunktioniert und sich über den Kopf gestülpt hatten, ging es im Pulk in Richtung Innenstadt und Hauptbahnhof. Auf dem Weg dahin wurden überwachte und nicht überwachte Bereiche mit kleinen Pappkärtchen markiert, um den Bürgern anzuzeigen, wo sie sich - dank Videoüberwachung - sicher bewegen könnten und wo nicht. Viele Orte, an denen man sich unsicher fühlen müsste, gab es in der flächendeckend überwachten Leipziger Innenstadt freilich nicht. Die Reaktionen der Passanten auf das Schauspiel reichten von verständnislosem Kopfschütteln und offener Ablehnung bis hin zu Erheiterung, Sympathie und glatter Begeisterung.
Vor dem Hauptbahnhof sollte dann eine, von den Space Hijackers kryptisch „Love vs. Hate - Let the eye in the sky decide this age old battle“ betitelte Aktion stattfinden (zu deutsch: „Liebe gegen Hass - Lasst das Auge im Himmel diese jahrtausendealte Schlacht entscheiden“). Dafür teilten sich die Anwesenden in zwei Gruppen, von denen eine den „Hass“, die andere die „Liebe“ repräsentierte. Durch entsprechendes Verhalten - Pöbeln, Schubsen und simulierte Prügeleien auf der einen, Umarmen und sonstige liebevolle Gesten auf der anderen Seite - wurde nun versucht, die Aufmerksamkeit der über dem Eingang zur Westhalle des Bahnhofs hängenden Polizeikamera auf sich zu ziehen. Trotz des großen Einsatzes aller Beteiligten scheiterte dies jedoch, da die Kamera gerade im Automatikbetrieb lief und es wohl kein Polizeibeamter für nötig hielt, das teilweise tumultartige Geschehen auf dem Bahnhofsvorplatz näher ins Auge zu fassen. Immerhin, auch das ist ein Ergebnis: Falls man tatsächlich einmal im Blickfeld einer Polizeikamera zusammengeschlagen würde, könnte man vermutlich nicht mit schneller Hilfe der Polizei rechnen. So wurde die Aktion nach zehn Minuten abgebrochen, die restlichen „Überwachungskamera-Schutzhelme“ und Flugblätter an die Passanten verteilt und anschließend noch das Innere des Hauptbahnhofs besichtigt.
Abends fand man sich wieder in der GfZK zusammen. Diesmal war neben einem weiteren Vortrag von Space Hijacker Karl noch eine Performance der New York Surveillance Camera Players angekündigt, die diese zur Unterstützung der Kampagne vor einer Webcam am New Yorker Times Square aufführen wollten. Diese begann auch pünktlich, innerhalb von zwanzig Minuten führten die New Yorker einige ihrer camera plays auf - kleine Theaterstücke mit Hilfe großer beschrifteter Papptafeln. Das alles konnte in der GfzK via Internet live verfolgt werden. Mit dem Vortrag von Karl, der sich dem Thema Videoüberwachung und Privatsphäre u.a. von dessen Auswirkungen auf die moderne Kunst her annäherte, endete der Abend.


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Drei Space Hijackers präsentieren ihre Überwachungskameraschutztüten.

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Unter der Polizeikamera am Martin-Luther-Ring (I)

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Unter der Polizeikamera am Martin-Luther-Ring (II)

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Space Hijacker

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Liebe vs. Hass – Lass das Auge im Himmel diese uralte Schlacht entscheiden… : Team Liebe (Die Gewinner)

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Liebe vs. Hass – Lass das Auge im Himmel diese uralte Schlacht entscheiden…: Team Hass

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Gruppenfoto am Bahnhofsvorplatz


Mehr Bilder:
//www.spacehijackers.org/html/welcome.html
//www.spacehijackers.org/html/projects/leipzig/index.html
//www.spacehijackers.org/blog/2006/12/hijackers_arrive_in_leipzig_1.html#more
//www.flickr.com/photos/46962372@N00/page1/
//www.flickr.com/photos/46962372@N00/sets/72157594412309808/

Filme:
//youtube.com/watch?v=1ONH7k4-W6Y
//www.youtube.com/watch?v=JMRhvhteOSg

Presse:
//www.dergrossebruder.org/times/20061201123158.html#
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Webperformance // ENOUGH IS ENOUGH - Live At The Times Square, NYC/ GENUG IST GENUG – Live vom Times Square in New York City

Surveillance Camera Players (New York City, USA)

2. Dezember 2006 » 19:30 Uhr (MEZ)

Webperformance-NYC-SCP-2-Dec-2006
Mehr Doku-Bilder der Webperformance.

Bericht der SCP über die Webpeformance bei Indymedia NYC/SCP-Webseite.

Zur Webcam am Times Square: //www.earthcam.com/usa/newyork/timessquare/index.php?cam=fridays

Mehr zu The Space Hijackers making trouble in Leipzig.


SCP statement for 2 Dec 2006 // Who are we? Why we here?


We are the Surveillance Camera Players, and we are here today, performing in front of this publicly installed webcam, to say ENOUGH IS ENOUGH. We have had enough of surveillance cameras!

1) They do not keep us safe from either crime or terrorism;
2) they create and reinforce a climate of distrust, fear and paranoia; and
3) they are all-too-frequently used for reprehensible activities, such as racial profiling, sexual voyeurism, the repression of political dissidents, and the marginalization of dispossessed social groups.

We are not alone in our opposition. At this very moment, anti-surveillance activists from England (“The Space Hijackers”) and Germany (“Leipziger Kamera”) are meeting at the Museum of Contemporary Art in Leipzig to discuss the problem and ways of solving it.

Why Leipzig? Because this city – well-known for its resistance to all forms of oppression – was one of the very first in Germany to have video surveillance imposed upon it. Ten years after the installation of their first cameras, the residents of Leipzig have had enough. What are their demands? The rights of everyone to enjoy the city; social solutions to urban problems; the encouragement of different ways of life; and an end to the police surveillance of public places.

And what about England? It is the most heavily surveilled country in the world, with approximately one camera for every 15 people. And yet England has a well-documented and persistent street-crime problem. But the answer is not more surveillance cameras and everyone over there knows it.

But what about here in the USA? All we hear from our political leaders, the highest ranking police officers and the CEOs of the biggest military-industrial corporations is a steady call for more and “better” cameras. But these people do not have our best interests in mind. All they want to do is line their pockets and keep us afraid.

Join us! Fight back! Your actions will speak louder than words!


Times Square, NYC 2 December 2006


Statement der Surveillance Camera Players zum 2. Dezember 2006 / Wer sind wir? Warum sind wir hier?

Wir sind die Surveillance Camera Players und wir sind heute hier und spielen vor einer im öffentlichen Raum installierten Webcam, um zu sagen: GENUG IST GENUG! Wir haben Videoüberwachungskameras satt!

1) Sie schützen uns weder vor Straftaten noch vor Terrorismus;
2) Sie schaffen und verstärken ein Klima des Misstrauens, der Angst und der Paranoia; und
3) Sie werden all zu oft für repressive Maßnahmen genutzt, wie rassistische Vorverurteilungen, sexuellen Voyeurismus, die Unterdrückung von politisch Andersdenkenden und die Marginalisierung von ausgestoßenen sozialen Gruppen.

Wir sind nicht allein mit unserem Widerspruch. In diesem Moment treffen sich Überwachungsgegner aus Großbritannien („The Space Hijackers“) und der BRD („Leipziger Kamera“) in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig, um über das Problem und mögliche Gegenstrategien zu diskutieren.

Warum Leipzig? Weil diese Stadt – bekannt für ihren Widerstand gegen alle Arten von Unterdrückung – eine der ersten in der BRD war, der Videoüberwachung auferlegt wurde. Zehn Jahre nach der Installierung der ersten Kamera, haben die Bewohner von Leipzig genug davon. Was sind ihre Forderungen? Das Recht aller auf den Gebrauch von Stadt, soziale Lösungen für urbane Probleme, das Recht auf abweichende Lebensentwürfe und ein Ende der Überwachung öffentlicher Plätze durch die Polizei.

Was ist mit Großbritannien? Es ist das am stärksten überwachte Land der Welt, in dem eine Kamera auf 15 Einwohner kommt. Und dennoch hat Großbritannien ein gut dokumentiertes und hartnäckiges Problem mit Straßenkriminalität. Doch die Antwort heißt nicht noch mehr Überwachungskameras und alle dort wissen es.

Und wie ist es hier in den USA? Alles, was wir von unseren Politikern, den obersten Polizeioffizieren und den Geschäftsführern der größten Militärindustrie-Unternehmen hören, ist ein steter Ruf nach mehr und „besseren“ Kameras. Doch diese Leute sorgen sich dabei nicht um unsere Belange. Sie wollen sich ihre eignen Taschen füllen und uns in der Angst gefangen halten.

Macht mit! Engagiert euch dagegen! Eure Taten sind mächtiger als Worte!

Times Square, NYC, 2. Dezember 2006


The Space Hijackers www.spacehijackers.co.uk
Leipziger Kamera www.leipzigerkamera.twoday.net
The Surveillance Camera Players www.notbored.org/the-scp.html
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Überwachungskamera-Theater

Was-guckst-Du

wasguckstdugifani

Innerhalb unserer Kampagne werden wir unter dem Titel actions speak louder than words mit kreativen Straßenaktionen gegen Videoüberwachung in Leipzig und den fortwährenden Ausbau der Überwachung protestieren. Im Folgenden dokumentieren wir Fotos der ersten Aufführung unseres Überwachungskamera-Theaterstücks Was guckst Du? unter der Polizeikamera am Connewitzer Kreuz am 21.9.2006. Die Aktion ist inspiriert durch die Camera Plays der New York City Surveillance Camera Players. Weitere werden folgen...
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